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Der Klinik-Krimi: Wie in einer deutschen Universitätsklinik ein Professor gemobbt wurde

05.07.2016 21:00

Der wahre Lebensbericht von Prof. Dr. O.J. Beck zeigt, dass Mobbing jeden treffen kann!

In Kliniken, so denken wir, steht das Wohl und die Gesundheit der Patienten an erster Stelle. Das stimmt nicht immer. Mit großer Anteilnahme und Erschütterung folgten die Zuhörer im vollbesetzten Saal des KDA – Kirchlicher Dienst der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern - am 05. Juli 2016 dem Mobbing-Krimi von Prof. Dr. O.J. Beck. Erschütternd waren seine Beispiele. Unverständlich, wieviel negative Energie Vorgesetzte und auch Kollegen entwickeln konnten ohne dass die Klinikleitung eingegriffen hat. Dr. Beck hat auch sein Geheimnis verraten, wie er diese schweren Jahre überstehen konnte.

An seiner Seite Dr. J.L. Schönberger, sein ehemaliger Doktorrand und Mobbingopfer aus der Schweiz. Er hat den Anwesenden praktische Verhaltenstipps geben.

 Das Podium
Dr. J.L. Schönberger, Prof. Dr. O.J. Beck, Silka Strauss

Es liest sich wie ein Krimi, wenn ein weltbekannter, erfolgreicher und anerkannter Neurochirurg, seit 1985 Professor der Neurochirurgie, 1992 Präsident der Laser Association of Neurological Surgeons International (LANSI), 1995 ohne juristisch haltbaren Grund mit einem Operations- und Dienstverbot bestraft wurde. Seine Mobbing-Geschichte hat Prof. Dr. Beck in einem Buch dokumentiert. Der Kern des Buches beschreibt wahrheitsgetreu neun Gerichtsfälle, deren Verlauf bei einem normalen Gerechtigkeitsempfinden eigentlich nicht nachvollziehbar ist. Er möchte damit Mediziner und Juristen, aber auch alle Verantwortlichen aufrütteln: Wegschauen ist keine Lösung – für Niemanden!

In ihrer Einführung macht Silka Strauss deutlich: „Diese Lebensgeschichte zu schreiben war möglich, weil Prof. Dr. Beck ein sehr gutes Gedächtnis und vor allem ein Mobbing-Tagebuch geführt hat, was die Mobbing Beratung München immer wieder empfiehlt.“ Sein „Fall“ wurde damals ausführlich in der Presse beschrieben. Doch erst mit der Petition an den bayerischen Landtag 5 Jahre nach dem ersten Operationsverbot durfte er an die Öffentlichkeit gehen und über die tatsächlichen Zustände in der Neurochirurgischen Klinik des Klinikums Großhadern informieren.

Prof. Dr. Beck erläuterte an 9 „Kröten“, die er schlucken musste, was ihm damals wiederfahren ist. Es war eine außerordentlich eindrückliche Schilderung. Es soll jungen Menschen die Augen öffnen, sagt er, dass es nicht ausreicht, korrekt und anständig seine Ziele zu verfolgen.

Es wurde deutlich, dass sich Mobbingopfer auf unterschiedlichste Weise Unterstützung holen müssen und können. Sei es die Aufmerksamkeit, eine Situation rechtzeitig als Mobbing-Attacke zu erkennen, seien es die Gespräche mit den kompetenten Mobbing-Paten oder Mobbing-Beratern bis zu einem Orientierungsgespräch beim Rechtsanwalt. Darauf hat auch Dr. Schönberger eindringlich hingewiesen.

Die Frage, wie dies über mehrere Jahre von der Klinikleitung geduldet werden konnte, blieb leider unbeantwortet. Damit auch die Frage, ob sich dies heute genauso wiederholen könnte. Rechtsanwalt Wilfried Dormann, der sich seit über 20 Jahren mit Mobbing befasst, äußerte die Hoffnung, dass sich die Rechtsprechung inzwischen weiterentwickelt hat und man als Betroffener – wenn man es richtig angeht – heute eher zu seinem Recht kommt.

Am Schluss blieb die Frage an Prof. Dr. Beck, wie er dies durchgestanden hat. „Das Wichtigste war: Ich fühlte mich immer im Recht. Das hat mich stark gemacht!“.

Prof-Dr-Beck und Silka Strauss

Prof. Dr. O.J. Beck und Silka Strauss im Gespräch.

Mehr zum Buch von Prof. Dr. O.J. Beck über den Klinik-Krimi finden Sie hier.

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